Gesetzliche Krankenkassen im Test

Gesetzliche Krankenkassen im Test

Die Förderung des Wettbewerbs zwischen den gesetzlichen Krankenkassen war eines der Ziele, das Gesetzgeber mit der Einführung des einkommensabhängigen Zusatzbeitrages Anfang des Jahres erreichen wollte. Doch welche Auswirkungen hat das neue Modell vor allem in puncto Leistungsangebot auf die Versicherten? Dieser Frage ist jetzt die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) nachgegangen und hat in Kooperation mit N24 die 20 mitgliederstärksten, bundesweit geöffneten Kassen genauer untersucht.

Im Mittelpunkt der Studie standen das Leistungsspektrum, die Beiträge & Prämien, die Transparenz und der Komfort sowie der Kundendienst. Folgende Krankenkassen wurden in die Tests eingeschlossen:

  • Audi BKK – https://www.audibkk.de
  • Bahn BKK – http://www.bahn-bkk.de
  • Barmer GEK – https://www.barmer-gek.de
  • Betriebskrankenkasse Mobil Oil – https://www.bkk-mobil-oil.de
  • BIG direkt gesund – https://www.big-direkt.de
  • BKK VBU – https://www.meine-krankenkasse.de
  • BKK vor Ort – http://www.bkkvorort.de
  • DAK Gesundheit – https://www.dak.de
  • Deutsche BKK – https://www.deutschebkk.de
  • HEK – http://www.hek.de
  • hkk – http://www.hkk.de
  • IKK classic – https://www.ikk-classic.de
  • IKK gesund plus – https://www.ikk-gesundplus.de
  • KKH – https://www.kkh.de
  • Knappschaft – https://www.knappschaft.de
  • Novitas BKK – http://www.novitas-bkk.de
  • pronova BKK – http://www.pronovabkk.de
  • Die Schwenninger Betriebskrankenkasse – http://www.die-schwenninger.de
  • SBK – https://www.sbk.org
  • Techniker Krankenkasse – http://www.tk.de.

Die Testkriterien wurden in vier Haupttestbereiche untergliedert und unterschiedlich gewichtet:

  1. Leistungsspektrum: Welche Mehrleistungen bietet die Krankenkasse? (40% des Gesamtwertes)
  2. Beiträge & Prämien: Welche Zusatzbeiträge werden erhoben und welche Bonusmaßnahmen und Wahltarife stehen zur Auswahl? (20% des Gesamtwertes)
  3. Transparenz & Komfort: Sind die Konditionen klar ersichtlich? Wie benutzerfreundlich sind die Websites? (20% des Gesamtwertes)
  4. Kundendienst: Wie gut sind die Kontaktmöglichkeiten? Berät der Kundendienst freundlich und kompetent? (20% des Gesamtwertes)

Die Leistungen in den Kategorien Leistungsspektrum, Beiträge & Prämien und Transparenz & Komfort wurden durch Experten analysiert. Mit unterschiedlichen Anfragen – je fünf Mal per Telefon und zehn Mal per Mail – wurde der Kundendienst geprüft.

Leistungsspektrum, Beiträge & Prämien

Der von den Versicherten allein zu tragende Zusatzbeitrag lag bei den im Rahmen der Studie untersuchten Krankenkassen zwischen 0,4% (bei der hkk erste Gesundheit) und 0,9%. Lässt sich dieses nicht unwichtige Kriterium bei der Wahl einer Krankenkasse noch einfach bzw. auf einen Blick erfassen, so führt zur umfassenden Einschätzung der Attraktivität einer Kasse nach wie vor kein Weg daran vorbei, sich durch die einzelnen Leistungs- und Prämiensegmente der Anbieter zu hangeln.

Beispiel Prämien/Boni: Zwar ist die Auszahlung einer Dividende zum Jahreswechsel weggefallen, Prämien für das Werben neuer Mitglieder werden jedoch nach wie vor von fast allen Kassen angeboten und liegen zwischen 15 Euro und 20 Euro. Nur bei einigen wenigen Unternehmen wurde statt einer Geldprämie die Teilnahme an einer Verlosung offeriert. Für den Selbstbehalt-Tarif, bei dem das Mitglied einen Teil der jährlichen Kosten selbst trägt, waren Prämien zwischen 100 und 600 Euro je nach Höhe des Selbstbehalts möglich.

Wer etwas Gutes für seine Gesundheit tun möchte, hat weiterhin die Möglichkeit, für verschiedene Maßnahmen wie bspw. den Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren oder die Mitgliedschaft im Sportverein oder im Fitnessstudio Bonuspunkte zu sammeln. Der Mindestbonus betrug je nach Krankenkasse 10 Euro bis 50 Euro.

Nicht nur die Prämien, sondern auch der Katalog an Mehrleistungen differierte. Im Bereich der alternativen Heilmethoden erstatteten beispielsweise 17 der 20 getesteten Unternehmen osteopathische Maßnahmen. Insbesondere präventive Maßnahmen werden weiterhin vielseitig unterstützt. Alle Krankenkassen beteiligten sich an den Kosten für Gesundheitskurse wie bspw. Aquafitness oder Pilates. Die Erstattungshöhen lagen dabei zwischen 75% und 100% je Kurs. Vorbeugende Maßnahmen werden auch im Bereich der Zahnmedizin gefördert. 13 der 20 Krankenkassen erstatteten zumindest anteilig die professionelle Zahnreinigung. Im Bereich der Hautkrebsvorsorge boten 17 der 20 Unternehmen eine Untersuchung bereits vor dem 35. Lebensjahr. Nicht in allen Fällen konnte die Hautkrebsvorsorge jedoch flächendeckend ermöglicht werden. Daher empfiehlt es sich genau zu prüfen, welche regionalen Verträge bei der jeweiligen Krankenkasse vorliegen.

Der Gesundheits-Check-up wird gemeinhin erst mit 35 Jahren von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wer seine Gesundheit jedoch bereits früher auf den Prüfstand stellen möchte, kann dies bei zwei Unternehmen tun: Die HEK und die hkk machen an dieser Stelle eine Ausnahme und ermöglichen den Gesundheits-Check-up bereits vor dem 35. Lebensjahr.

Im Bereich der Kinder- und Jugenduntersuchungen zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Kinderuntersuchungen U 10 und U 11 werden von 18 der 20 Krankenkassen übernommen – jedoch nicht immer in allen Bundesländern. Die Kosten für die Jugenduntersuchung J2 tragen 15 der 20 Unternehmen.

Da gerade der Bereich Zusatzleistungen sehr viel mit persönlichen Präferenzen und individueller Lebensführung zu tun hat, kann sich ein Vergleich mehrerer Kassen auf jeden Fall lohnen. Über alle betrachteten Aspekte hinweg bot die HEK das beste Leistungsspektrum aller Kassen im Test.

Transparenz & Komfort

Im Rahmen der Studie standen auch die Transparenz und der Komfort des Internetauftritts im Fokus.

Im Bereich der Transparenz erzielten die Krankenkassen insgesamt sehr gute Resultate. Die Höhe des Zusatzbeitrags sowie ergänzende Informationen zur Beitragsreform 2015 stellten alle Kassen bereit. Auch die Konditionen der verschiedenen Wahltarife und des Bonusprogramms waren bei allen Unternehmen klar ersichtlich.

Einziges Manko: Nur bei zwölf der 20 Krankenkassen war eine eindeutige Kennzeichnung der Zusatzleistungen gegeben. Bei den verbleibenden acht Unternehmen mussten die Tester erst nach konkreten Hinweisen innerhalb der Leistungsbeschreibung suchen, um das entsprechende Angebot als Mehrleistung identifizieren zu können.

Maximale Transparenz im Test zeigten die IKK classic sowie die IKK gesund plus.

Auch im Bereich des Komforts wussten alle untersuchten Krankenkassen zu gefallen: Die Anmeldung zu Wahltarifen und zum Bonusprogramm waren auf einfachem Wege online möglich. Zudem stellten die Unternehmen eine Vielzahl an Formularen wie bspw. Muster für die Kündigung der Krankenkasse bereit. Wer regelmäßig zur Vorsorge gehen möchte, dem boten die Krankenkassen sogar einen sogenannten Vorsorge-Erinnerungsservice an.

Der beste Komfort wurde der Techniker Krankenkasse attestiert.

Kundendienst

Wer Rat sucht oder weitere Informationen benötigt, kann über verschiedene Kanäle mit den Krankenkassen in Kontakt treten. Im Test waren die Mitarbeiter der Unternehmen telefonisch gut zu erreichen, auch wenn in einigen Fällen längere Wartezeiten von mehr als 30 Sekunden in Kauf genommen werden mussten, bevor mit einem Angestellten gesprochen werden konnte. Ausnahme: Bei der KKH konnten die Tester auch nach drei Anwählversuchen in zwei von fünf Fällen überhaupt keinen Mitarbeiter telefonisch erreichen.

Von insgesamt 200 gestellten Email-Anfragen blieben 43 unbeantwortet. Unrühmliche Ausnahme hier: Die Audi BKK antwortete auf keine einzige Anfrage, obwohl alle Tester eine Bestätigung der Kontaktanfrage erhielten. Bei anderen erwies sich die Response-Dauer als zumindest verbesserungswürdig: Von den 157 erhaltenen Antworten erfolgte die Beantwortung von nur 106 Anfragen innerhalb von 24 Stunden.

Der beste telefonische Kundendienst wurde der Novitas BKK bescheinigt, via E-Mail überzeugte hkk. Den ersten Platz in der Kategorie Kundendienst gesamt erzielte die SBK durch gute Leistungen auf beiden Kanälen.

hkk Testsieger der Gesamtstudie

Die hkk erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der Hanseatischen Krankenkasse und der BIG direkt gesund. Die hkk punktete mit einem umfangreichen Leistungsangebot und erzielte ein gutes Resultat im Kundendienst. Die Hanseatische Krankenkasse bot ebenfalls ein gutes Leistungsspektrum, die BIG direkt gesund schnitt in der Kategorie Beiträge & Prämien überdurchschnittlich gut ab.

Die Detailergebnisse der Studie sind gegen eine Schutzgebühr von 1.250 EUR zzgl. MwSt. bei der DtGV (info@dtgv.de) erhältlich.

Ergebnisse einzelne Testkategorien

Leistungsspektrum

 AnbieterZielerreichungInfo
1HEK93%1,50 | sehr gut
2hkk90%1,63 | gut
3Techniker Krankenkasse84%2,09 | gut
4BKK Mobil Oil82%2,19 | gut
5BKK vor Ort82%2,19 | gut
6BIG direkt gesund81%2,26 | gut
7Bahn BKK79%2,38 | gut
8SBK77%2,54 | befriedigend
9Audi BKK75%2,65 | befriedigend
10pronova BKK75%2,66 | befriedigend

Beiträge & Prämien

 AnbieterZielerreichungInfo
1Audi BKK86%1,92 | gut
2IKK gesund plus86%1,94 | gut
3BIG direkt gesund84%2,04 | gut
4hkk81%2,24 | gut
5Novitas BKK79%2,40 | gut
6HEK78%2,48 | gut
7BKK vor Ort77%2,53 | befriedigend
8pronova BKK77%2,55 | befriedigend
9IKK classic77%2,56 | befriedigend
10Schwenninger Betriebskrankenkasse76%2,58 | befriedigend

Transparenz & Komfort

 AnbieterZielerreichungInfo
1IKK classic94%1,38 | sehr gut
2BKK vor Ort94%1,39 | sehr gut
3Techniker Krankenkasse94%1,40 | sehr gut
4SBK93%1,46 | sehr gut
5Audi BKK93%1,49 | sehr gut
6hkk92%1,50 | gut
7DAK Gesundheit92%1,52 | gut
8pronova BKK92%1,54 | gut
9Knappschaft89%1,74 | gut
10BIG direkt gesund89%1,76 | gut

Kundendienst

 AnbieterZielerreichungInfo
1SBK94%1,38 | sehr gut
2hkk92%1,53 | gut
3IKK gesund plus90%1,65 | gut
4HEK88%1,80 | gut
5BIG direkt gesund88%1,80 | gut
6Techniker Krankenkasse88%1,81 | gut
7BKK Mobil Oil85%2,02 | gut
8IKK classic84%2,06 | gut
9DAK Gesundheit84%2,09 | gut
10Bahn BKK83%2,15 | gut