Onlinebroker: Test von Konditionen, Angebot und Service

Onlinebroker: Test von Konditionen, Angebot und Service

Direkt, transparent, schnell und preiswert – mit diesen Leistungsversprechen werben zahlreiche Onlinebroker um die Gunst der Anleger. Besonders Parkett-Neulingen fällt es häufig schwer, sich für einen Anbieter zu entscheiden. Welcher Onlinebroker die beste Mischung aus Konditionen, Angebot und Service bietet, hat die  Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) jetzt gemeinsam mit N24 untersucht.

Folgende Anbieter wurden einem ausführlichen Test unterzogen:

  • 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH – http://www.1822direkt.com/
  • comdirect bank Aktiengesellschaft – http://www.comdirect.de/
  • Cortal Consors S.A. – http://www.cortalconsors.de/
  • DAB Bank AG – http://www.dab-bank.de/
  • Deutsche Kreditbank Aktiengesellschaft – http://www.dkb.de/
  • flatex GmbH  – http://www.flatex.de/
  • ING-DiBa AG – http://www.ing-diba.de/
  • LYNX B.V. Germany Branch – http://www.lynxbroker.de/
  • maxblue – das Online Brokerage Angebot der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG – http://www.maxblue.de/
  • netbank AG – http://www.netbank.de/
  • NIBC Bank N.V. – http://www.nibcdirect.de/
  • OnVista Bank GmbH – http://www.onvista-bank.de/
  • Deutsche Postbank AG  – http://www.postbank.de/
  • S Broker AG & Co. KG – http://www.sbroker.de/
  • TARGOBANK AG & Co. KGaA – http://www.targobank.de/
  • Volkswagen Bank direct – http://www.volkswagenbank.de/

Die Test-Kriterien wurden in vier Bereiche untergliedert, wobei jede Frage entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet wurde:

  1. Konditionen: Wie viel kostet die Depotführung? Wie hoch sind die Gebühren beim Kauf von verschiedenen Arten von Wertpapieren? Was kostet die Nutzung spezieller Trading-Software? (30% des Gesamtwertes)
  2. Angebot und Komfort: Wie breit ist das Produktangebot? Wie komfortabel sind Website, Depoteröffnung, Online-Brokerage und Trading-Software? Welche Möglichkeiten für mobiles Handeln werden geboten? (30% des Gesamtgewichts)
  3. Transparenz: Sind die wichtigsten Kosten und Bedingungen klar ersichtlich? (20% des Gesamtgewichts)
  4. Kundendienst: Wie gut ist der Anbieter für den Kunden erreichbar? Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt? Ist die Beratung umfassend und kompetent? (20% des Gesamtgewichts)

Die Leistungen in den Kategorien Konditionen, Angebot und Komfort sowie Transparenz wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 10-mal per Email und 5-mal telefonisch kontaktiert.

Große Unterschiede bei den Konditionen

Wer auf der Suche nach dem günstigsten Anbieter ist, kommt nicht umhin, sich im Vorfeld Gedanken über sein eigenes Anlageverhalten zu machen. So lohnt es sich für Anleger, die hohe Summen auf einmal investieren wollen, meist, einen Anbieter mit Flat Fee zu wählen. Flat Fee bedeutet, dass für jede Order – egal wie groß – eine feste Provision berechnet wird. Ebenfalls sind bei großen Ordervolumina Onlinebroker mit einer geringen Höchstprovision zu empfehlen, die ab einem bestimmten Investitionsvolumen die Kosten deckelt. Diese liegt bei dem günstigsten Anbieter im Test bei nur 19,95€, kann allerdings auch bis zu 99€ betragen. Wer mit kleineren Summen hantiert, greift besser zu einem Angebot, bei dem die Mindestprovision oder die Flat Fee gering ist.

Aus diesen unterschiedlichen Gebührenmodellen der Anbieter ergeben sich teils erhebliche Preisschwankungen. Nimmt man beispielsweise eine Aktienorder in Höhe von 5.000 €am Börsenplatz XETRA an, so schwanken die Gebühren zwischen 5 € und 24,90 € – dem fast fünffachen! Bei einem größeren Ordervolumen in Höhe von 25.000 € an derselben Börse gestalten sich die Unterschiede noch extremer. Mit 68,40 € liegt der teuerste Anbieter hier mehr als 1300% über dem günstigsten mit lediglich 5 € Gebühren. Mit extremen Preisunterschieden konfrontiert sind auch Anleger, die ihr Geld an ausländischen Börsen anlegen möchten. Für ein Investment im Wert von beispielsweise 5.000€ an der New Yorker NYSE reicht die Orderprovision im DtGV-Testszenario von 3,69 € bis hin zu 75 €.

Angesichts dieser Preisdifferenzen scheinen die Unterschiede in den Kosten für die Depotführung dann eher zweitrangig. Gerade für Wenig-Trader lohnt sich aber auch hier ein Vergleich. So bieten 56% der Onlinebroker eine bedingungslos kostenfreie Depotführung an, der Rest verlangt jährliche Gebühren zwischen 9 € und 35 €. Für Vieltrader, ab etwa 50 Trades im Halbjahr, bieten viele Onlinebroker Vergünstigungen. Diese reichen von geringeren Orderprovisionen über reduzierte oder entfallende Depotführungsgebühren bis hin zur kostenlosen Nutzung der Handelssoftware. Braucht der Depotinhaber einmal Geld, bieten die meisten Onlinebroker einen Effektenkredit an, mit dem sich das Depot beleihen lässt. Hier liegen die Zinsen zwischen 2,7% und 6%.

Die im Mittel für alle Anlagetypen besten Konditionen im Test bot schließlich die OnVista Bank an, dicht gefolgt von flatex auf dem zweiten Platz.

Mobile Lösungen keine Selbstverständlichkeit

In der Kategorie Angebot und Komfort wurde u.a. bewertet, wie groß das Angebotsspektrum der einzelnen Onlinebroker ist. Während Aktien, Fonds, Anleihen, Optionsscheine, ETFs und Zertifikate über fast jeden Broker handelbar sind, unterscheidet sich die Angebotsbreite bei Anlageformen wie Optionen, Futures, CFDs, SFDs, Rohstoffen und Währungen stark. Die Möglichkeit zum gedeckten Leerverkauf von Aktien bieten sogar nur zwei Broker an. Überrascht haben zudem fehlende Möglichkeiten zum Abschluss von Wertpapier-Sparplänen bei einigen Anbietern. Auch die Möglichkeit, an internationalen Handelsplätzen zu investieren, ist nicht bei allen Onlinebrokern gegeben.

Ebenfalls untersucht wurde der Umfang und Komfort des Online-Bankings sowie angebotener Trading-Software. Während einige Anbieter mit sehr umfangreichen Webmasken zum Wertpapierhandel überzeugen, in denen bereits Chartanalysen, Alarme und Echtzeitkurse zur Verfügung stehen, kann ein solcher Funktionsumfang bei anderen Anbietern gar nicht oder nur durch Installation einer speziellen, teils kostenpflichtigen Software genutzt werden. Ist eine solche Softwarelösung vorhanden, ist diese allerdings stets sehr umfänglich. Durch weitere, zubuchbare Module ermöglichen die angebotenen Programme dem Privatanleger zum Teil sogar ein semiprofessionelles Handeln auf hohem Niveau. Erstaunt waren die Tester hingegen, dass nur etwa die Hälfte der untersuchten Anbieter mit einer geeigneten App oder mobilen Website aufwarten, die die Möglichkeit bietet, vom Smartphone oder Tablet aus auf das Depot zugreifen und handeln zu können.

Wer trotz der Wahl des Onlinebrokings nicht auf eine Anlageberatung verzichten möchte, findet mit Cortal Consors sowie der DAB Bank zwei Anbieter, die auch zu unterschiedlichsten Produkten telefonisch beraten. Sollten nur Informationen zum Thema Fonds gewünscht sein, kann auch auf comdirect und die Volkswagen Bank zurückgegriffen werden. Bei den anderen Anbietern finden sich lediglich ein Börsenlexikon oder Informationen zu Steuerthemen auf der Website. Ein Drittel der Onlinebroker bietet allerdings auch die Möglichkeit, an speziellen Seminaren oder Webinaren zu Börsenthemen teilzunehmen, um sich ein fundiertes Börsenwissen anzueignen.

Bei Angebot und Komfort konnte die Hälfte der Anbieter mit „guten“ Leistungen glänzen. An der Spitze liegt Cortal Consors, knapp dahinter die DAB Bank und S Broker.

Gute Ergebnisse bei der Transparenz

Die für den Kunden transparente Darstellung von Kosten und Vertragsbedingungen stand ebenfalls im Fokus der Tester. Positiv wurde gewertet, dass bei allen Onlinebrokern die wichtigsten Konditionen wie Ordergebühren für die handelbaren Wertpapiere ohne Studium des Preis- und Leistungsverzeichnisses ersichtlich sind. Alle Anbieter klären ihre Kunden zudem über anfallende Depotführungsgebühren auf. Nur beim Handel mit den weniger verbreiteten Wertpapierarten wie Optionen oder Futures muss doch meist auf das detaillierte Preis- und Leistungsverzeichnis zurückgegriffen werden, das widerum nicht immer leicht aufzufinden war.

Mit der besten Transparenz bei Kosten und Vertragsbedingungen konnte die Volkswagen Bank punkten (Note: „sehr gut“; 1,1). Dicht darauf folgt die ING-DiBa, die auch ein „sehr gutes“ Ergebnis (Note: 1,2) erzielt hat.

Kundendienst per E-Mail mit Mängeln

Da das Vier-Augen-Gespräch mit dem persönlichen Anlageberater im Geschäftsmodell der Onlinebroker nicht vorgesehen ist, kommt dem Kundendienst eine zentrale Rolle zu. Dieser wurde im Test mit Anfragen zu Themen wie Konditionen, speziellen Orderfunktionen, Wertpapierarten, Depotwechsel und Steuern auf die Probe gestellt.

Der telefonische Kundendienst konnte überzeugen: Die Erreichbarkeit war gut, so mussten die Tester im Schnitt weniger als eine Minute in der Warteschleife verbringen. Die Mitarbeiter präsentierten sich meist ebenso freundlich wie kompetent. Bei schwierigen Fragen wurde umgehend an die zuständigen Abteilungen weiterverbunden. Auf Anfragen per Email bekamen die Tester zwar meist eine Antwort, teilweise musste aber mehr als eine Woche auf diese gewartet werden. Auch wurde des Öfteren nur unvollständig oder nicht gezielt auf die gestellten Fragen geantwortet. Manche Emails enthielten zudem viele zusätzliche Standardtextbausteine, die mit dem Anfragethema, wenn überhaupt, eher zufällig zu tun hatten.

Den Sieg in der Teilkategorie Kundendienst konnte sich die comdirect sichern – mit sehr kompetenten und freundlichen Mitarbeitern sowohl am Telefon, als auch bei der Beantwortung von Emails (Note: „sehr gut“; 1,4).

Flatex Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von der DAB Bank und der OnVista Bank

Insgesamt konnte nur dreimal die Note „gut“ vergeben werden, die restlichen Anbieter erzielten das Testurteil „befriedigend. Flatex erfüllte die Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der DAB Bank. Den dritten Platz erreichte die OnVista Bank. Punkten konnte flatex im Test insbesondere beim Kundendienst, der Transparenz und bei den Konditionen. Die DAB Bank auf dem zweiten Platz erzielte Ton-Wert bei Angebotsumfang und Komfort sowie soliden Leistungen in den übrigen Kategorien. Die OnVista Bank schließlich überzeugte mit den besten Konditionen sowie einem breten Angebot an handelbaren Produkten.

Die Detailergebnisse der Studie sind gegen eine Schutzgebühr von 750 EUR zzgl. MwSt. bei der DtGV (info@dtgv.de) erhältlich.

Pressemitteilungen

N24/N24.de, 28.03.2014

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