Gesellschaftsspiele im Test: Crash Test Bunnies

Gesellschaftsspiele im Test: Crash Test Bunnies

Ob Spieleautor Florian Nadler ein großer Fan kanadischer Rockmusik ist, müsste geprüft werden. Der Name des Spiels lässt zumindest darauf schließen. Doch bei „Crash Test Bunnies“ geht es weder um Musik noch um Kanada – sondern um ein rasantes Wettrennen unter Hasen. Kartenspiel und Wettrennen? Klingt schräg – aber es funktioniert. Sogar sehr gut, so das Fazit der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV), die „Crash Test Bunnies“ in der Reihe „Deutschlands beste Spiele 2020“ jetzt getestet hat.

Spielkonzept: Auf die Plätze, fertig, Chaos – Wer behält den kühlsten Kopf?

Der große Preis von Bunnyville steht vor der Tür und jeder will ihn gewinnen. Sieger ist am Ende aber nicht der, der als Erster die Ziellinie überquert, sondern der, der am meisten Bunny-Coins eingesammelt hat. Dafür benötigt es einen kühlen Kopf, flinke Hände und eine gute Reaktionsfähigkeit, denn während des Spiels kommt es ständig zu blitzschnellen Veränderungen.                            

Crash Test Bunnies ist ein Kartenspiel, das von zwei bis vier Personen gespielt werden kann. Es besteht aus 40 Rennkarten in vier verschiedenen Farben, vier Power-Up-Karten, 60 Bunny-Coins und einem Bonus-Würfel. Das Spielgeschehen läuft in zwei Phasen ab – dem eigentlichen Rennen und dem Replay (Auswertung).

Zu Beginn sucht sich jeder Spieler ein Set aus zehn doppelseitigen Rennkarten einer Farbe aus. Die Vorderseite, auch Streckenseite genannt, zeigt einen Abschnitt der Rennstrecke. Hier ist immer eine Kreuzung zu sehen, auf der verschiedene Hindernisse (Banane, Neandertaler, Igel, Dinosaurier, Oma etc.) und Benefits (Bunny-Coins oder Bonus-Würfel) abgebildet sind. Auf der Rückseite der Rennkarten, der Autoseite, befinden sich die Richtungsmöglichkeiten, die der Rennhase einschlagen kann. Links, rechts, geradeaus und Turbo, was hier für alle Richtungen steht, sind die vier Optionen.

1. Phase:  Das Spiel startet, indem der Jüngste eine seiner zehn Rennkarten mit der Streckenseite nach oben in den Spielkarton legt. Ab diesem Zeitpunkt geht es für alle los, denn jeder darf nun ablegen, weswegen flinke Hände gefragt sind. Wichtig ist, schnellstmöglich den Streckenverlauf der ausgespielten Karte zu scannen und eine passende Autoseite auszuspielen. Befindet sich beispielsweise rechts ein Bunny-Coin und links und geradeaus ein Hindernis, dann sollte im Idealfall eine Rennkarte (Autoseite) mit einem rechtsabbiegenden Rennhasen ausgespielt werden. Diese muss dann wieder mit der Streckenseite nach oben auf die erste Karte gelegt werden, damit das Rennen fortgesetzt werden kann. Dieser Prozess wiederholt sich nun so lang, bis ein Spieler keine Karten mehr hat und damit einen Bunny-Coin als Belohnung für den Etappensieg erhält. Geschwindigkeit wird also zunächst durchaus belohnt, ob sie sich am Ende jedoch tatsächlich bezahlt macht, zeigt sich erst in der zweiten Phase – dem Replay.

2. Phase: Nachdem ein Spieler alle Karten verbraucht hat, ist die erste Etappe des Rennens sofort beendet und die anderen Spieler dürfen ihre übrigen Karten nicht mehr auslegen. Der Kartenstapel wird anschließend umgedreht und das Replay beginnt. Wem gelang es Bunny-Coins einzusammeln? Wer darf den Bonus-Würfel benutzen? Wer crashte in ein Hindernis? Diese Fragen werden nun gemeinsam beantwortet, indem das Rennen Karte für Karte noch einmal rekonstruiert wird. Hat ein Spieler im Eifer des Gefechts ein Hindernis gerammt oder ist mit Turbo über eine Bananenschale gefahren, so muss er einen Bunny-Coin an die Bank zahlen. Hat ein Spieler einen Bunny-Coin auf der Strecke gefunden, erhält er diesen von der Bank. Ist ein Spieler über den Bonus-Würfel gefahren, muss er ihn sofort benutzen.

Hier gibt es nun die Möglichkeit, ein Bunny-Coin-Symbol zu würfeln, wodurch man von der Bank eine Münze erhält. Die übrigen fünf Seiten des Würfels beziehen sich auf die Power-Up-Karten, die sofort aktiv werden, wenn sie gewürfelt wurden. Eine Möglichkeit ist das Anti-Bananen-System (ABS), wodurch ein Spieler, so lange er diese Karte besitz, mit Turbo über Bananenschalen fahren darf. Es gibt den Kescher, der besagt, dass der Spieler, der als nächstes gegen ein Hindernis fährt, den Bunny-Coin nicht der Bank, sondern dem Besitzer der Kescher-Karte übergibt. Ein erwürfeltes Raketen-Symbol hat zur Folge, dass der Spieler mit den meisten Bunny-Coins zwei davon an die Bank bezahlen muss. Die Zielflagge (Startspieler-Karte) bedeutet, dass der Spieler, der diese Karte besitzt, die neue Etappe anfangen darf und am Ende des Rennens einen halben Bunny-Coin erhält. Schließlich ist noch ein Fragezeichen auf dem Würfel zu finden, das mit einem Joker gleichzusetzten ist. Wird es gewürfelt, kann der Spieler sich entscheiden, ob es für die ABS-, Kescher- oder Startspieler-Karte steht. Jede Power-Up-Karte ist nur so lange im Besitz eines Spielers, bis ein anderer sie erneut gewürfelt hat.

Sobald das Replay ausgewertet ist, werden die Rennkarten wieder an die Besitzer zurückgegeben und die nächste Etappe beginnt. Der Spieler mit der Startspieler-Karte legt eine seiner Rennkarten mit der Streckenseite nach oben in den Spielkarton – und das wilde Rennen beginnt erneut. Nach drei Etappen ist der große Preis von Bunnyville beendet, die Bunny-Coins jedes Einzelnen werden gezählt und ein Sieger gekürt. 

Spielerlebnis: Mario Kart als Kartenspiel

Wettrennen gegeneinander, Rammen von Hindernissen, Einsammeln von Münzen, Ausrutschen auf Bananen: Was sich wie eine gängige Beschreibung des Nintendo Klassikers Mario Kart anhört, trifft auch eins zu eins auf Crash Test Bunnies zu. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Das Spiel aus dem Hause moses.Verlag ist durch und durch analog – Karten und Coins statt Konsole gewissermaßen. Crash Test Bunnies besticht durch seine Kurzweiligkeit und bietet aufgrund des zweiphasigen Aufbaues eine gute Mischung aus Action (Phase eins) und Ruhe (Phase zwei). Zudem ermöglichen es die Power-Up-Karten, bis kurz vor Rennschluss noch wesentlichen Einfluss auf das Spielgesehenen zu nehmen, so dass ein sicher geglaubter Sieg schneller als erwartet noch ins Wanken gerät bzw. es auf der Zielgeraden durchaus noch zu Positionswechseln kommen kann. Sowohl die Erwachsenen- als auch die Kinder-Tester bewerteten den Spielspaß und die Spannung dementsprechend hoch.

Gefördert wird das Spielerlebnis zudem durch die pfiffig gestalteten Rennkarten. Ob der Igel mit einem Kaktus in der Hand, der Bananen essende Gorilla oder die Oma mit Gehhilfe – die Hindernisse auf der Streckenseite sind mit viel Liebe zum Detail dargestellt und dürften gerade zu Spielbeginn für den einen oder andere Schmunzler sorgen. Aber auch die Autoseite mit den verbissen rasenden Hasen ist optisch sehr gelungen, so dass es nicht verwundert, dass das Design vor allem die jüngeren Probanden vollends überzeugte. 

Intensiviert wird das Spielerlebnis nicht zuletzt auch dadurch, dass bei Crash Test Bunnies immer alle gleichzeitig spielen können und es so im Gegensatz zu anderen Kartenspielen oder strategischen Brettspielen nicht zu langen Wartezeiten einzelner Spieler kommt.  

Anleitung und Ausstattung

Die Anleitung wurde von unseren Testern als übersichtlich und dem Spielumfang entsprechend bewertet. Auf sechs kleinen Doppelseiten wird das Spiel kurz und knapp erklärt. Ganz leichte Abzüge gab es bei der Verständlichkeit, wobei jedoch nicht der textliche Inhalt das Problem war, sondern die Tester sich gern weitere verständnishelfende Beispielabbildungen gewünscht hätten sowie den vom moses. Verlag oft verwendeten Kurzüberblick mit allen wichtigen Fakten vermissten.          

Spielkarton, Würfel und Rennkarten überzeugten in puncto Qualität und Verarbeitung. Bei den Bunny-Coins hingegen wäre ein etwas hochwertigeres Material durchaus wünschenswert gewesen. Dafür ist das Spiel mit 9,95 € recht günstig – und vor allem auch reisetauglich: Mit den Maßen von 10cm x 15,3cm x 3cm findet der stabile Spielkarton von Crash Test Bunnies Platz in nahezu jedem Gepäckstück. Zudem werden im Gegensatz zu anderen Spielen keine Figuren oder ein Spielbrett benötigt, so dass für den Spielablauf nicht zwingend eine durchweg ebene Unterlage erforderlich ist.    

Fazit:

Das Spiel ist leicht verständlich, kurzweilig und optisch sehr gelungen sowie ein cleverer und gelungener Ansatz, die Essenz des beliebten Spieleklassiker Mario Kart in ein Kartenspiel zu verpacken. Crash Test Bunnies ist sicherlich nicht das Spiel, das einen kompletten Spieleabend mit Freunden und Familie ausfüllt. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch. Dafür ist es als eine Art „Appetizer“, der mit viel Elan und Witz die Gemeinschaft und den Spieleabend in Schwung bringt, hervorragend geeignet. Und auch auf Reisen stellt es eine ebenso turbulente wie preisgünstige Lösung dar, die gefühlte Fahrtzeit wesentlich zu verknappen.

Ergebnisse im Überblick

Die Ergebnisse des Gesamtscores sowie der einzelnen Teilkategorien finden Sie hier:

Die angegebenen Score-Werte (Skala: 1 = äußerst unzufrieden bis 10 = äußerst zufrieden) entsprechen den gewichteten Mittelwerten der Teilkategorien.




Wie wird getestet?

Unabhängige Tester spielen jedes Spiel mindestens achtmal, für ausgewiesene Kinderspiele werden zusätzlich Kinder hinzugezogen. Die Bewertungen erfolgen auf Basis eines für jedes Spiel individuell zugeschnittenen Fragebogens im Rahmen einer 10stufigen Skala. Beurteilt werden folgende Aspekte:

  • Ausstattung und Zubehör (15% der Gesamtwertung)

Egal ob Spielkarton, Karten, Würfel oder Spielfiguren – um auch langfristig etwas vom Spiel zu haben, sollte das gesamte Spielmaterial entsprechend wertig und solide sein. Auch Optik und Haptik der Materialien stehen in dieser Kategorie im Fokus.

  • Anleitung (15% der Gesamtwertung)

Als Einstieg in die neue Spielewelt ist die Spielanleitung von zentraler Bedeutung. Sie sollte verständlich, übersichtlich, von der Länge her angemessen und anschaulich gestaltet sein.

  • Spielerlebnis (30% der Gesamtwertung)

Spiele können für Spannung sorgen, Spaß bereiten, die sozialen Kompetenzen, das Erinnerungsvermögen, Geduld oder die Konzentration fördern, sie können lehrreich sein, helfen, Niederlagen zu verkraften – und noch vieles mehr. Entscheidend ist ein möglichst intensives Spielerlebnis. Ob und wie die Spiele dieses vermitteln, steht im Mittelpunkt dieser wichtigen Teilkategorie.   

  • Spielidee (30% der Gesamtwertung)

Ist die Spielidee innovativ oder handelt es sich um eine Auflage längst bekannter Spiele, nur im neuen Design? Wie logisch ist die Spielidee? Wurde die Spielidee gut eine entsprechende Spiel-Mechanik übersetzt? Überzeugt das Spielkonzept insgesamt?

  • Spielempfehlung (10% der Gesamtwertung)

Alle Bewertungsdimensionen spiegeln sich quasi in der finalen Empfehlungsfrage an die Tester wider – nämlich: Wie wahrscheinlich ist es, dass sie das Spiel Freunden und Bekannten weiterempfehlen?