Produkt-Test: Kinder-Tablets

Produkt-Test: Kinder-Tablets

Spielspaß für die Kleinen, Sicherheit für die Eltern – die Werbung für Kinder-Tablets verspricht viel. Doch nicht alle Hersteller lösen ihr Werbeversprechen in der Praxis auch tatsächlich ein. Die DtGV – Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien hat insgesamt sieben Kinder-Tablets umfassend getestet. Fazit: So manches Gerät sorgt für mehr Frust als Lust – und auch das Thema Sicherheit wird nicht selten eher stiefmütterlich behandelt.

Die getesteten Kinder-Tablets bewegten sich in einer Preisrange von rund 50 Euro bis knapp 130 Euro und zählen zu den meistgekauften Modellen hierzulande. Folgende Geräte wurden in den Test inkludiert:

  • Amazon Fire HD 8 Kids Edition
  • Clementoni Clempad 8‘‘
  • Excelvan Kids Tab 7
  • Kivors Kids Kinder Tablet
  • Kurio TAB Advance
  • Odys TigerTab 8
  • VTech Storio Max 7‘‘

Untersucht wurden die Tablets in sechs Testkategorien, deren Ergebnisse in unterschiedlicher Gewichtung in das Gesamtergebnis eingingen:

  1. Vielseitigkeit: Welche Basis- und Anwendungssoftware ist vorinstalliert? Welche App-Store-Optionen gibt es? Welche App-unabhängige Nutzung ist möglich? (15% des Gesamtwertes)
  2. Sicherheit: Welche Kontroll- und Einschränkungsoptionen bietet das Tablet den Eltern? Welche Sperr-Möglichkeiten gibt es? Wie robust sind die Geräte? (25% des Gesamtwertes)
  3. Funktion & Handhabung: Wie einfach ist die Inbetriebnahme? Wie benutzerfreundlich ist es im täglichen Gebrauch? Wie ist es um die Ladedauer und Abspielqualität von Filmen bestellt? Wie gut sind Kamera- und interne Lautsprecher? Wie ist der allgemeine Komfort der Geräte? (20% des Gesamtwertes)
  4. Ausstattung: Wie aktuell sind die vorinstallierten Betriebssysteme? Über welche Speicherkapazitäten verfügen die Geräte? Welche sonstigen Ausstattungsmerkmale (z.B. Bluetooth, Kopfhörerbuchsen etc.) weisen die Tablets auf? Welche Kamera-Varianten haben die Geräte? (20% des Gesamtwertes)
  5. Display: Wie gut sind die Tablet-Displays in puncto Pixeldichte, Reflexionsverhalten, Blickwinkelstabilität und Farbsättigung? (15% des Gesamtwertes)
  6. Akku: Welche Werte weisen die Geräte hinsichtlich Ladedauer und Akku-Laufzeit auf? (5% des Gesamtwertes)

Bis auf das Amazon Fire HD 8 Kids Edition, bei dem Fire OS zum Einsatz kommt, nutzen alle anderen untersuchten Tablets Android als Betriebssystem. Alle Geräte wurden käuflich online erworben und im Zeitraum Januar bis März getestet. Die subjektiven Prüfungen erfolgten unabhängig durch drei Experten in Form einer Skalenbewertung.

Amazon Fire HD 8 Kids: Testsieger mit nur wenig Schwächen

Als Testsieger konnte sich über alle Kategorien hinweg mit der Note 2,0 („gut“) das Tablet aus der Amazon Fire-Reihe durchsetzen. In vier der sechs Teilkategorien erreichte das HD 8 Kids Edition die höchste Punktzahl. Das 8 Zoll große Display ließ keine Wünsche offen – und auch bei der Akku-Laufzeit verwies das Fire die Konkurrenz auf die Plätze: Über sechs Stunden hielten die Akkus im Test beim Abspielen von Filmen mit maximaler Helligkeit durch. Zur Einordnung: Andere Tablets im Test mussten bereits nach etwas über zwei Stunden wieder an die Steckdose.

In puncto Ausstattung das gleiche Bild: Vom 32 GB großen Speicher des Fire sind immerhin de facto rund 26,5 GB frei verfügbar, der 1,5 GB große Arbeitsspeicher sorgt für schnellen Datenzugriff und eine reibungslose parallele Nutzung von Anwendungen. Verfügen fast alle untersuchten Tablets über einen USB-Anschluss, Bluetooth, Mikrofon und Kopfhörerbuchse, so ist das Gerät von Amazon das einzige, das auch mit integrierten Stereo-Lautsprechen aufwarten kann.

Vereinzelt Optimierungsbedarf machten die Tester in der Kategorie Funktion & Handhabung aus. Zwar ist die Inbetriebnahme des Geräts im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht und auch App-Installationen lassen sich im täglichen Gebrauch selbst von Erstnutzern einfach bewerkstelligen. Jedoch lässt die Übersichtlichkeit der Apps im Kinderprofil zu wünschen übrig. Die entsprechenden Seiten wirken überfrachtet, die Systematik eher unelegant. Auf der Hardware-Seite ist die Kombination aus Anschlüssen und Schutzhülle nicht ganz glücklich gelöst: Die Zugänge liegen sehr tief – und verführen selbst Erwachsene dazu, beispielsweise das Kopfhörer-Kabel nicht unten am Stecker herauszuziehen, sondern wesentlich weiter oben – was sich bekanntlich nach geraumer Zeit nicht selten in Form eines Kabelbruchs rächt…

Dennoch wurde dem Fire auch in dieser Teilkategorie der erste Platz zugesprochen: Das Reaktionsvermögen des Tablets erwies sich als exzellent, die Bildqualität von Front- und Rück-Kamera kann sich sehen lassen und auch allgemeine Komfort-Aspekte wie beispielsweise die Akku-Standanzeige überzeugten.

Bestes Android-basiertes Kinder-Tablet: Clempad 8“

Auf Platz zwei in der Gesamtwertung (Note 2,3 – „gut“) landete das Clempad 8“, das somit auch als bestes Android-basiertes Kinder-Tablet aus dem Test hervorging. Vor allem in der Kategorie Vielseitigkeit konnte das Clempad punkten: Über den Hersteller-eigenen Store lassen sich kostenlos knapp 40 Spiel- & Spaß-, Lese- und auch Rechen-Apps downloaden, parallel kann natürlich auch der Play-Store von Google genutzt werden. Ein Media-Player ist im Kinder-Profil bereits vorinstalliert – und als einziges Gerät verfügt das Clempad auch über einen Sim-Card-Slot, so dass selbst außerhalb des W-LAN-Empfangs der Zugang zum Internet möglich ist.

Auch in puncto Ausstattung verwies das Clempad die anderen Android-basierten Tablets auf die Plätze: Mit dem vorinstallierten 7.0-Betriebssystem hinkte es nur eine Generation der zum Testzeitpunkt aktuellsten 8.1.-Version hinterher, während beispielsweise das VTech Storio oder auch das Excelvan mit der Android-Version 4.4.2. geliefert wurden. Der verfügbare Speicherplatz liegt bei knapp über 10 GB – und lässt sich bei Bedarf um 64 GB erweitern. Der Akku hält beim Gucken von Filmen oder Videos bei höchster Helligkeitsstufe rund 4,5 Stunden durch, bei vollständiger Entladung ist er nach etwas über 3 Stunden wieder über 100% Leistung. Das Display wurde wie auch das von Amazon Fire mit der Bestnote 1,0 bewertet.

Lediglich in der Kategorie Sicherheit sahen die Tester geringfügige Schwächen: Zwar lässt sich durch eine selbst erstellte Sicherheitsabfrage vermeiden, dass der findige Nachwuchs vom Kinder- ins Elternprofil wechselt. Und auch das „wilde“ bzw. unkontrollierte Surfen im Internet kann durch die gezielte Freigabe von URLs ausgeschlossen werden. Jedoch sind die Möglichkeiten, die Nutzungsdauer und „Sitzungs“-Anzahl zu begrenzen, beim Clempad eingeschränkt. Lediglich eine Rahmenzeit – unabhängig von der konkreten Anwendung – lässt sich einrichten.

Kurio TAB Advance mit vorbildlichem Sicherheitskonzept

Das beste Sicherheitskonzept stellte das Kurio TAB Advance im Test unter Beweis. Bei diesem Gerät können die Eltern die Nutzungsdauer wesentlich gezielter einstellen: Für jeden einzelnen Werk- bzw. Schultag lässt sich ein eigenes Nutzungslimit setzen, für das Wochenende wiederum kann individuell mehr Spielraum eingerichtet werden. Und nicht nur die Gesamt-Nutzung pro Tag, auch die Dauer pro Sitzung und die Pausenlängen zwischen den Sitzungen lassen sich beim Kurio festlegen. Als einziges Kinder-Tablet bietet das Gerät zudem die Möglichkeit, gezielt Internet-Seiten zu sperren.

Zwar bewegten sich die Leistungswerte des Kurio-Akkus ebenso wie die Display-Beurteilung nur im Mittelfeld, doch vor allem dank guter Wert in der Kategorie Funktion & Handhabung reichte es am Ende für den dritten Platz in der Gesamtwertung.

VTech Storio Max 7‘‘: Hoher Preis, wenig Leistung

Für Verdruss der besonderen Art sorgte eines der teuersten Kinder-Tablets im Test: Das VTech Storio Max 7‘‘. Das erste, originalverpackte Gerät ließ sich nach drei Wochen nicht mehr einschalten. Das zweite, ebenfalls originalverpackte Austausch-Gerät verweigerte von Anfang an seine Dienste. Erst das dritte Gerät erwies sich als uneingeschränkt funktionstüchtig. Vor dem Hintergrund dieses zweifachen Ausfalls wurde beim VTech eine zehnprozentige Abwertung des Gesamtergebnisses vorgenommen. Aber auch ohne diesen ausfallbedingten Punktabzug wusste das VTech nicht zu überzeugen. Als einziges Tablet lässt es die Nutzung der gängigsten Play-Stores nicht zu, so dass lediglich der Hersteller-eigene Playstore verwendet werden kann – und der ist überwiegend kostenpflichtig. Auch für das Runterladen von Hörbüchern über Audible gilt ebenso wie für den Gebrauch von Social-Media-Diensten wie Snapchat oder Instagram: Mit dem VTech nicht möglich.

Verstärkt werden die Zweifel an der Preispolitik des Herstellers beim Blick auf die Ausstattung des VTech: Dass es als einziges der getesteten Tablets über kein Bluetooth verfügt, wäre vielleicht noch zu verwinden. Auch, dass nur etwas über 5 GB Speicherplatz zur Verfügung stehen. Dass es jedoch – ebenfalls als einziges Tablet – nicht über zwei Kameras verfügt, sondern eine Kamera manuell hin und her geklappt werden muss, je nachdem, ob der Nutzer ein Selfie oder eine normale Aufnahme machen möchte, das lässt sich nur noch schwer nachvollziehen. Das VTech erhielt folgerichtig in der Gesamtwertung lediglich ein „ausreichend“ (Note: 3,9) und bildete im Ranking das Schlusslicht.

Geräte unter 100 Euro nicht empfehlenswert

Nur eingeschränkt empfehlenswert sind auch die beiden günstigsten Tablets im Test: Das Excelvan Kids Tab 7, das ca. 50 Euro kostet sowie das Kivors Kids Kindertablet (ca. 60 Euro). Das Kivors beispielsweise wirbt mit einem eigenen App-Store – doch den Testern gelang es auch nach zig Versuchen nicht, sich mit diesem App-Store zu verbinden. Das Display wurde in puncto Farbsättigung am schlechtesten von allen bewertet, der Akku war nach etwas über zwei Stunden Bewegtbildschauen bereits wieder reif für die Steckdose.

Das Excelvan wiederum fiel zunächst dadurch auf, dass es den Neubesitzer in die Rolle des Autodidakten zwingt: Bis auf eine minimalistische Papier-Kurzanleitung fand sich nichts Erklärendes im Karton – weder in Papierform, noch, dass auf eine eventuell online-verfügbare ausführliche Anleitung verwiesen wird. Die Akku-Laufzeit war ebenso kurz wie die des Kivors, die Qualität der eingebauten Kameras erwies sich als die schlechteste im Test. Und: Das Excelvan fordert den Kindern viel, viel Geduld ab, da es extrem langsam auf per Touchscreen gegebene Befehle reagiert bzw. diese nur zeitverzögert umsetzt.

Auch das OdysTiger Tab wurde von den Prüfern als sehr langsam wahrgenommen – dies jedoch nicht innerhalb einer Anwendung, sondern vielmehr beim Wechsel von einer Anwendung in eine andere oder zum Startbildschirm. Ansonsten bot das Odys, das sich in der Gesamtwertung auf Rang 4 platzieren konnte, in fast allen Testkategorien solide Leistungen. Lediglich im Bereich Sicherheit wäre ein ausgefeilteres Nutzungsbeschränkungs-Konzept wünschenswert, ebenso wie eine Sperrungs- und/oder Freigabe-Option von Internetseiten. Und wieso es bei einem Tablet, das immerhin über 100 Euro kostet, am Ende nicht für eine Akkustand-Anzeige gereicht hat, erschloss sich den Testern ebenfalls nicht.

Übrigens: Sorge, dass der Nachwuchs in einem ungestümen Moment den Tablet-Neuerwerb schrottet, braucht man bei keinem der getesteten Geräte haben. Alle überlebten den Sturztest – freier Fall aus einem Meter Höhe – ohne Beschädigungen.

Ergebnisse einzelne Testkategorien

Die Ergebnisse der einzelnen Testkategorien des Tests finden Sie hier. Es werden jeweils die Top-3 Anbieter in der jeweiligen Testkategorie aufgezeigt.

Vielseitigkeit

 AnbieterZielerreichungInfo
1Clementoni76%2,6 | Befriedigend
2Kivors75%2,6 | Befriedigend
3Odys72%2,9 | Befriedigend

Sicherheit

 AnbieterZielerreichungInfo
1Kurio88%1,8 | Gut
2Amazon78%2,4 | Gut
3VTech72%2,9 | Befriedigend

Funktion & Handhabung

 AnbieterZielerreichungInfo
1Amazon88%1,8 | Gut
2Kurio86%1,9 | Gut
3Clementoni81%2,3 | Gut

Ausstattung

 AnbieterZielerreichungInfo
1Amazon98%1,1 | Sehr Gut
2Clementoni92%1,6 | Gut
3Odys85%2,0 | Gut

Display

 AnbieterZielerreichungInfo
1Amazon100%1,0 | Sehr Gut
2Clementoni99%1,0 | Sehr Gut
3Odys98%1,1 | Sehr Gut

Akku

 AnbieterZielerreichungInfo
1Amazon85%2,0 | Gut
2Clementoni71%2,9 | Befriedigend
3Odys69%3,1 | Befriedigend